Corona-Update: Wie die globale Pandemie auch Auswirkungen auf unseren Verein und unsere Partnerregionen hat

    Seit Ausbruch der Pandemie im vergangenen Jahr ist es in unserem Vereinsleben leider etwas stiller geworden. Trotzdem versuchen wir das Beste aus der Situation zu machen. Dass heißt, die Kontakte zu unseren Partnerregionen aufrecht zu halten und unsere bestehenden Projekte bestmöglich fortzuführen, auch wenn dies derzeit aus der Distanz nicht immer vollständig. Gerade jetzt aber brauchen unsere Partnerregionen ein Zeichen, dass Solidarität im Sinne der Völkerverständigung auch unter Corona-Beschränkungen neue Grenzen überwinden kann. Mit diesem Beitrag möchten wir nun im weiteren Verlauf Einblicke in unsere Arbeit, unsere Herausforderungen und Visionen unter Pandemiebedingungen geben.

    Unsere Bilanz seit Beginn der Pandemie fällt gemischt aus. Einerseits konnten wir an unserer inneren Struktur arbeiten und unseren Verein weiterentwickeln. Wir konnten neue aktive Mitglieder gewinnen und z.B. auch  einen neue Flyer produzieren. Mit Beginn des laufenden Jahres haben wir begonnen einen digitalen Welttage-Kalender zu führen und regelmäßig verschiedene Impulse auf unserer Facebook-Seite zu veröffentlichen. Auch konnten wir das Solarlampenprojekt für Frauengruppen aus ländlichen Dörfern in Nord-West Kamerun fortführen, wenn auch nicht, unter optimalen Bedingungen. Nach wie vor ist die Nachfrage groß, so dass wir im vergangenen Monat neue Anfragen für Bestellungen erhalten haben.

    Ein unschöner Zwischenfall ereignete sich Anfang des laufenden Jahres, bei dem unser zentraler Ansprechpartner des Forums für erneuerbare Energien und ländliche Entwicklung in Foumbot Opfer eines Überfalls wurde. Im Rahmen des Überfalls nahe der zentralen Busstation in Douala wurden dabei mehrere Kommunikationsmittel (darunter ein Laptop und 2 Smartphones) sowie ein Solarlampen-System entwendet. Glücklicherweise kam unser Ansprechpartner mit diesem Schrecken und den materiellen Verlusten davon. Trotzdem zeigt dieses Ereignis auch, dass sich die Situation in Punkto Sicherheit verändert. Durch Gespräche mit unseren Partnerorganisationen haben wir erfahren, dass  in der Bevölkerung die Angst vor einer Infizierung steigt (auch wenn die Fallzahlen im Vergleich zu der Situation in Europa wesentlich niedriger ausfallen). Auch wissen wir aus vertraulichen Quellen, dass Einreisen und Aufenthalte von Europäer*innen von Teilen der Bevölkerung zunehmend aggressiv und kritisch beurteilt werden, da (wahrscheinlich auch zurecht) diese Reisenden als potenzielle Überträger von Covid19 betrachtet werden. Hinzu kommt, dass aufgrund von intransparentem und teilweise auch widersprüchlichem Verhalten seitens einiger politischer Entscheidungsträger*innen bei der Pandemiebekämpfung, in der Bevölkerung große Unsicherheit herrscht.

    Über verschiedene Kanäle sozialer Netzwerke haben wir außerdem erfahren, dass durch unsachliche und unseriöse Informationen und Berichte über Zwangsimpfungen und Zwangssterilisierungen in Krankenhäusern,  Ängste auch in Kamerun geschürt werden. Meist fehlt diesen Berichten aber eine verlässliche Beweisgrundlage. Dennoch führt dies dazu, dass Teile der Bevölkerung Tests in medizinischen Einrichtungen ablehnen, so dass die offiziellen Zahlen nur sehr bedingt zur realen Einschätzung der Situation herangezogen werden können. Aufgrund der schwierigen Situation, konnte ein geplanter Vorortbesuch von Baobab-Mitgliedern seit nun 2 Jahren wiederholt nicht stattfinden, obwohl die Flüge bereits bezahlt sind und unsere Partner den persönlichen Austausch im Rahmen des Besuchs auch als wichtig und notwendig einstufen. Wann es letztlich dazu kommen wird, hängt von vielen Faktoren ab, die derzeit nicht abschätzbar sind.

    Zu schaffen macht unserem Verein ebenfalls, dass öffentliche Veranstaltungen wie etwa das interkulturelle Straßenevent „Tag der Erde“ in Kassel letztes und auch dieses Jahr nicht stattfinden können. Wir nutzen diese Events neben unserer Vereinsdarstellung und zum Austausch mit Besucher*innen aus der Region nämlich auch zur Spenden-Akquise. Dieser solidarische Beitrag von Interessierten fehlt derzeit in unseren Projekt-Budgets. Daher ist auch verständlich, weshalb unsere Projektplanungen im Bereich neuer Auslandsprojekte, aufgrund der unsicheren finanziellen, aber auch politischen Situation mit ständig wechselnden Sicherheitsmaßnahmen und – vorgaben, derzeit ruhen.

    Zum Schluss möchten wir aber auch die Chancen hervorheben, die die Pandemie birgt für eine Neugestaltung der internationalen Zusammenarbeit. Wir meinen damit sich eröffnende Chancen und Handlungsmöglichkeiten wie den Schutz unseres Ökosystems oder aber auch die Chancen unser Konsumverhalten um die externen Kosten für Gemeinschaften des globalen Südens.  Die Pandemie schafft in diesem Sinne eben auch neue (Zeit-)Räume, um diesen Chancen und Handlungsmöglichkeiten Aufmerksamkeit zu geben und mit neuen Ideen Veränderungen zu unterstützen, die das internationale Miteinander und die Völkerverständigung auf eine nachhaltige Weise stärken.

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