Aufgeladen, voller neuer Energie und Tatendrang kehrten zwei Mitglieder des Baobab e.V. von der diesjährigen Degrowth-Summerschool zurück, welche auf dem diesjährigen Klimacamp vom 18. bis 23. August 2017 abgehalten wurde. Das Klimacamp im Rheinland – ein alljährliches Treffen von Klimaschützer_innen, Ökoaktivist_innen und Weltveränderern aus aller Welt, fand dieses Jahr unweit des Örtchens Erkelenz statt und damit in unmittelbarer Nähe der Abbruchkante, an welcher sich die gefräßigen Riesenbagger, zu Zwecken der Braunkohleförderung, unaufhörlich weiter in die Landschaft fräßen und diese in eine unwirkliche Mondlandschaft verwandeln. In Zusammenarbeit mit Dr. Marthe Djuikom, Koordinatorin unserer Partnerorganisation in Kamerun, wurden interessierte Studierenden aus Frankreich, Belgien und Deutschland in einem viertägigen Workshop für die Verknüpfung von Degrowth- und Klimagerechtigkeitsansätzen im globalen Norden mit nachhaltiger Entwicklungszusammenarbeit an der Basis im globalen Süden sensibilisiert. Der Workshop stand unter der Leitfrage „Wie können Erfahrungen über den Kompetenzaufbau für einen gesellschaftlichen Wandel in Mikro-Projekten Wege und Impulse für einen Wandel auf der Makro-Ebene benennen?“.

Welchen Stellenwert hat Klimagerechtigkeit im Degrowth-Diskurs?

Klimagerechtigkeit kann nur erreicht werden, wenn wir uns an eine Ressourcen bewusstere Lebensweise gewöhnen. Degrowth steht wörtlich für die Reduktion der Energienutzung, der Wirtschaft, sowie eine Reduktion der Inanspruchnahme der Nutzung von konventionellen Energien und Stoffen. Darüber hinaus steht der Degrowth-Begriff für die ideelle Überwindung des Wachstumsprinzips, welches unsere Gesellschaft auf nahezu allen Ebenen durchdringt. Gerade hier bietet sich großes Potential für neue Paradigmen in Ländern des globalen Südens.

Link zum Video: About Climate Justice & Degrowth from Raute Film on Vimeo.

Was bedeutet Degrowth?

Bei Degrowth geht es darum, die Grundprinzipien moderner Gesellschaften zu ändern. Gegenwärtig leben viele Gesellschaften weltweit in einem modernen, kapitalistischen System, das sich auf dem Wachstumsprinzip begründet. Seine Stabilität basiert somit auf der Notwenigkeit stetigen Wachstums und Beschleunigung. Die Weltgemeinschaft hat jedoch längst einen Punkt erreicht, an dem die Ressourcen knapp sind (Peak oil, Klimaerwärmung, etc.) und Wachstum nur geringen Einfluss auf die Lebensqualität im gloablen Norden hat. Dies ist zudem nur auf Kosten anderer möglich. Die Betroffenen sind häufig Menschen, deren Lebenssituation prekär und deren politischer Einfluss eher gering ist. Wenn bspw. die Industrienationen ihre CO2 Emissionen nicht verringern, werden die Konsequenzen dieses Verhaltens zunächst vor allem in den Ländern des globalen Südens spürbar. Dies steht im Widerspruch zu globaler Gerechtigkeit.
Auch von der Logik der Expansion muss man sich verabschieden, dies würde den Druck auf Länder des globalen Südens verringern. Das bedeutet aber auch weniger Abnahme für die Produzenten des globalen Südens. Solidarische Ökonomie, mehr Autonomie, Selbstbestimmung und Gestaltung. REDUZIERUNG des Imperialismus in den Ländern des globalen Südens durch eine Radikale Transformation der Gesellschaftlichen Basis, was eine Umverteilung beinhaltet und die Stärkung einer globalen Solidarität mit dem globalen Süden.
 
Degrowth Konflict MapDegrowth Konflikt-Map Summerschool 2017 
© Baobab 2017